«Vollgas geben»
Der 27-jährige Schaaner Michele Laghi hat sich für die kommende Snowboard-Saison einiges vorgenommen. Seit August trainiert Laghi unter professionellen Bedingungen im «United Boarders Pro Team», um im nächsten Jahr unter anderem Liechtenstein an den olympischen Spielen in Salt Lake City zu vertreten. Schon im letzten Jahr verbuchte Michele Laghi bei den FIS-Riesenslaloms ansprechende Resultate, doch die Qualifikation, um bei Weltcuprennen teilzunehmen, verpasste er knapp. Doch letztes Jahr ist vergangen und Laghi hat sich für den kommenden Winter einiges vorgenommen. Der erste Schritt war, als sich der Liechtensteiner dazu entschloss, dem professionellen Team der «United Boarders Pro Team» beizutreten. In dieser internationalen Trainingsgemeinschaft sind beste Trainingsvoraussetzungen und Betreuung gestellt. «Durch ein Mitglied des ÖSV (Österreichischer Ski-Verband) kam ich in Kontakt mit dem United Boarders Pro Team», erklärt der ambitionierte Snowboarder. «Danach, etwa April diesen Jahres, ging es auf Sponsoren-Suche.» Wie es wohl jeder professionelle Sportler kennt, musste auch Laghi einige Absagen von Sponsoren in Kauf nehmen. «Aber ich habe Unternehmen gefunden, die mich tatkräftig unterstützen», erzählt er stolz. Auch Laghi`s Arbeitgeber unterstützt den Sportler voll und ganz und hilft ihm bei dessen Unterfangen als Halbprofi tätig zu sein. Nach all der intensiven Vorbereitung wird es dieses Wochenende schon ernst. Im Kaunertal (Österreich) findet am Samstag der FIS-Continental-Cup statt und am Sonntag steht mit dem FIS-Riesenslalom schon der nächste Bewerb vor der Tür. «Meine Chancen an diesem Wochenende sind sehr schwierig einzuschätzen, denn ich kenne das Teilnehmerfeld nicht. Aber der Continental- Cup wird sicher international besetzt sein», so Laghi, der sich gestern auf dem Weg in das Skigebiet machte. Eine Veranstaltung liegt dem Schaaner besonders am Herzen: die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss Laghi einige Hürden nehmen. 120 Punkte (Durchschnitt) in zwei Rennen, so die Vorgabe, um Liechtensteins Farben vertreten zu dürfen. Klingt einfach, hat aber noch einen Haken. Denn bei einem FIS-Rennen gibt es, je nach Teilnehmerfeld, mal mehr, mal weniger Punkte zu ergattern. Die Punkteverteilung für den ersten Rang erstreckt sich von 50 bis 500. Für Michele Laghi gibt es also nur eine Devise: «Bei jedem Rennen, an dem ich teilnehme, muss ich Vollgas geben.» Vollgas gab der «Snöber» schon in der Vergangenheit, aber in den Rennen war der selbst auferlegte Druck vielfach zu gross und die Top-Platzierungen blieben aus. Um auch mental voll bei der Sache zu sein, nimmt der Halbprofi nun die Dienste eines Mentaltrainers in Anspruch. Michele Laghi: «Ich arbeite seit einiger Zeit erfolgreich mit dem Mentaltrainer Ed Weiss zusammen. Dies hat mir der LOSV ermöglicht, von denen ich auch bei anderen Angelegenheiten sehr gut unterstützt werde.» Die wichtigen Punkte, um an Olympia teilzunehmen, kann ein Snowboard-Athlet nur bei dem internationalen Ski-Verband (FIS) holen, der 1994 ins Business der breiten «Brettern» einstieg. Der konkurrierende Verband der International Snowboard-Federation (ISF) kann dies den Sportlern nicht bieten und steht auch finan-ziell sehr schlecht da. Der Rennkalender umfasst höchstens noch acht Events, Geld ist praktisch keines mehr vorhanden (Hauptsponsor Motorola verabschiedete sich) und ein Exodus der Fahrer droht. Die FIS bietet ihren Fahrern 15 Stationen und insgesamt 46 Rennen für Männer sowie Frauen. «Ich werde dennoch einige Bewerbe der ISF bestreiten», erklärt Laghi. «Aber auch unser Trainer ist, wie meist in der Snowboard-Szene, der Ansicht, dass die ISF noch höchs-tens zwei Jahre überlebt.»